| Die Geschichte der Ansichtskarten |
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Heinrich von Stephan
(1831-1897) |
1865 - Erste Anregungen
Die heute bekannte Ansichts- oder Postkarte geht auf Heinrich von Stephan zurück. In seiner Schulzeit und Lehre durch ausgezeichnete Zeugnisse aufgefallen, stieg er bald zum Geheimen Oberpostrat auf. Im Norddeutschen Bund bekleidete er das Amt des generalpostdirektors und wurde nach Gründung des Deutschen Reiches 1880 zum Staatssekretär des Reichspostamtes, 1885 geadelt und 1895 zum Staatsminister befördert.
Sein Verdienst liegt hauptsächlich in der Vereinigung der verschiedensten Territorialpostanstalten zur Deutschen Reichspost, der Einführung eines flächendeckenden Telefonnetzes und die Gründung des Weltpostvereins. Aber auch viele heute noch gängige Dinge des Postwesens, wie etwa das Briefgeheimniss, die Postanweisung und die Postkarte gehen auf seine Anregungen zurück.
1865 auf der 5. Weltpostonferenz schlug Heinrich von Stephan die Einführung eines offenen "Postblattes" vor. Sein Vorschlag wurde jedoch nicht weiter verfolgt, da man das offene Verschicken von Nachrichten als unschicklich empfand.
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1869 - Erste Postkarte
Als eigentlicher "Erfinder" der Postkarte gilt der Professor und österreichische Nationalökonom Emanuel Herrmann. Er schlug in einem Artikel in der "Neuen Freien Presse" aus Wien vom 26.1.1869 "eine neue Art der Correspondenz mittels der Post" vor. Diese "Correspondenzkarte" sollte offen und mit einer aufgedruckter 2-Kreuzer-Marke sein. Damit wäre eine Alternative zum 5 Kreuzer teuren Brief gegeben, die sich hervorragend für Kurznachrichten eignete.
Am 22. September kommt die erste "Correspondenzkarte" auf den Markt und entwickelte sich in Österreich zum absoluten Erfolg. Bereits im ersten Monat verkaufte sie sich über 1,4 Millionen mal.
Nach Deutschland kam die "Correspondenzkarte" 1870, nachdem sie in Würtemberg ebenfalls eingeführt worden war. Das restliche Deutsche Reich musste noch bis 1873 warten, bis Karten mit aufgedruckter Briefmarke eingeführt wurden. Zwar gab es bereits seit 1870 eine gleichnamige Karte, die jedoch mehr einem "Telegrammformular" im Kartenformat entsprach, und mit Marken freizumachen war.
Durch den Berner Postvereinsvertrag vom 1. Juli 1875 wurde die Postkarte auch für den internationalen Verkehr zugelassen.
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Prof. Emanuel Herrmann
(1839-1902)

1869 erschien die welterste Correspondenzkarte |
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Feldpostkarte aus
dem I. Weltkrieg |
1870 - Erste Bilder
Am 16. Juli bedruckte der Hofbuchhändler August Schwarz eine solche "Correspondenzkarte" mit dem Bild eines Kanoniers und verschickte sie. Diese Karte wird als erste Ansichtskarte angesehen, obwohl hier von der "klassischen" Form als Urlaubsgruß noch keine Rede sein kann, zumal auch das Monopol der Herstellung bei stattlichen Stellen lag.
Der Deutsch-Französischen Krieg 1870 stellte völlig neue Herausforderungen an das Postwesen. Wieder war es Heinrich von Stephan, der die Organisation der Feldpost voran trieb. Zum Einsatz kamen hier auch Feldpostkarten mit Landschaftsaufnahmen der eroberten Gebiete.
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1872 - Kabinett-Postkarten
Im Jahre 1872 kamen sogenannte Kabinett-Postkarten in Mode, bei denen fotografische Aufnahmen aus Atellieren auf Karton gezogen wurden, und rückseitig beschrieben, verschickt werden konnten. Von nun an bürgerte sich der Name "Postkarte" im Sprachgebrauch ein.
Ebenso wurden in diesem Jahre privat hergestellte Karten für den Postverkehr zugelassen.
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Karte aus Adolphs Verlag
aus Passau. |
1877 - Urlaubs-Ansichtskarten
Die erste "klassische" Ansichtskarte mit Urlaubsmotiven wurde erstmals 1877 vom Löbauer Fotografen Alphons Adolph (1853 - 1934) hergestellt. Adolph hatte in Wien das Fotografenhandwerk und die Technik des Licht- und Zinkdruckes erlernt und war dann nach Löbau gekommen. Nach beendigung seiner Tätigkeit in Löbau ging er 1889 nach Passau und wirkte dort als Hoffotograf und Gewerberat.
Diese von Adolph erfundenen Urlaubskarten waren auf der Vorderseite mit mit einer oder mehrerern Abbildungen des Urlaubsortes bedruckt. Damals war es üblich, die Grußworte auf die Vorderseite zu schreiben, so daß die Rückseite allein der Briefmarke und der Anschrift vorbehalten blieb.
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1885 - Massenartikel
Seit 1885 war es privaten Verlegern nun offiziell gestattet, Bildkarten herzustellen und zu vertreiben. Schnell setzte sich die Ansichtskarten im großen Stil als Massenartikel durch. Ansichtskarten waren nun überall zu kaufen. Es bildeten sich eigenständige Ansichtskartenverlage heraus, die besonders in den Städten Berlin, Leipzig und Hannover aktiv waren. Deutschland errang schnell eine Vormachtsstellung bei der Herstellungstechnik und Design von Ansichtskarten.
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Blick in ein zeitgenössisches Sammelalbum |
1899 - Sammlerleidenschaft
Kurz vor der Jahrhundertwende erreichte die Produktion von Ansichtskarten einen ersten Höhepunkt. Allein 1899 wurden 88 Millionen Karten hergestellt. Schnell wurden mit den schönen Karten auch Sammelleidenschaften geweckt, die sich in den 1890er Jahren in ersten Sammlervereinen und Sammlerzeitschriften manifestierte.
Den Firmen für Ansichtskarten folgten Firmen, die sich auf die Produktion von Sammelalben spezialisierten. Insgesamt waren in den größten Firmen über 1.200 Mitarbeiter beschäftigt und wurden allein 1903 in Deutschland 1,16 Milliarden Ansichtskarten produziert.
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1905 - heutige Form
1905 bekam die Ansichtskarte dann ihre endgültige Form. Die Adressenseite der Karte wurde geteilt, wobei die linke Seite nun ebenfalls auch für Mitteilungen zur Verfügung stand. Das führte nach und nach dazu, daß die Vorderseite nun vermehrt mit einem vollständigen - und damit größerem Bild - genutzt werden konnte. Ansichtskarten mit beschriftbarer Vorderseite verschanden nach und nach vom Markt.
Ebenfalls im Jahre 1905 wurde durch die Post eine halbe Milliarde Kartensendungen gezählt.
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Karte vor 1905 mit einteiliger Anschriftenseite |
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Bildpostkarte |
1925 - Bildpostkarten
Auf Anregung der Deutschen Gesellschaft für Reichs-Postreklame (heute DeTeMedien), die für die Vermarktung der posteigenen Werbeflächen zuständig war, wurde 1925 die Bildpostkarte durch die Deutsche Reichspost eingeführt. Bildpostkarten unterschieden sich von den "klassischen" Ansichtskarten dadurch, daß sie als Werbemittel zur Förderung des Fremdenverkehrs eingesetzt wurden. Der Sinn war also nicht der Gruß aus dem Urlaubsort sondern die Werbung für den Ort. wobei die Auftraggeber für solche Karten die Gemeinden selbst waren. Zu erkennen sind Bildpostkarten an den Abbildungen auf der Adress-Seite der Karte.
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1920er Jahre - Filmpostkarten
In den zwanziger Jahren entwickelte sich eine neue Art von Bildkarten - die Filmpostkarte. Statt Landschaften und Orte kamen nun Karten mit Abbildungen von Filmszenen oder Schauspielern zur Anwendung. Schätzungsweise 40.000 verschiedene Motive wurden davon hergesstellt.
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Filmpostkarte |
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